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Adsorption
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top
Als Adsorption (von lateinisch adsorptio, von adsorbere â(an)saugenâ) bezeichnet man die Anreicherung einer Substanz, die in einer fluiden Phase im flĂŒssigen oder gasförmigen Aggregatzustand gelöst ist, an der GrenzflĂ€che zu einer zweiten kondensierten Phase im flĂŒssigen oder festen Aggregatzustand.cite-ref-1[1] Die sich an der GrenzflĂ€che anreichernde Substanz wird als Adsorptiv bezeichnet, solange sich diese in der fluiden Phase befindet. Im adsorbierten Zustand wird die sich an der GrenzflĂ€che anreichernde Substanz Adsorpt genannt. Die die GrenzflĂ€che bereitstellende kondensierte Phase wird als Adsorbens bezeichnet. Der Komplex aus Adsorpt und Adsorbens wird Adsorbat genannt.cite-ref-2[2]
Adsorption ist zu unterscheiden von Absorption, bei der die Stoffe in das Innere eines Festkörpers oder einer FlĂŒssigkeit eindringen.cite-ref-3[3] Der Oberbegriff fĂŒr Adsorption und Absorption lautet Sorption.cite-ref-4[4]
Contents
âą Abgrenzung
âą Anwendungen
âą Physisorption
âą Chemisorption
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Einzelnachweise
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Abgrenzung
Im allgemeinen Sinn ist Adsorption ein physikalischer Prozess, bei dem Stoffe (in der Regel MolekĂŒle) auf der OberflĂ€che eines anderen Stoffes haften bleiben und sich auf dessen OberflĂ€che anreichern. Die KrĂ€fte, die die Anhaftung verursachen, sind keine chemischen Bindungen, sondern nur Van-der-Waals-KrĂ€fte. Daher wird diese Form der Adsorption exakter physikalische Adsorption oder Physisorption genannt. Die physikalische Adsorption umfasst grundsĂ€tzlich auch den umgekehrten Prozess, die Desorption, da ein System immer ein Gleichgewicht zwischen dem Adsorbieren und Desorbieren eines Stoffes anstrebt. Die OberflĂ€che, auf der die Adsorption stattfindet, kann die OberflĂ€che eines Feststoffes oder die OberflĂ€che einer FlĂŒssigkeit sein. Allgemein nennt man den Bereich, in dem die beiden Phasen sich berĂŒhren bzw. in Wechselwirkung treten, eine GrenzflĂ€che.
In den folgenden Abschnitten wird jedoch hauptsĂ€chlich die Adsorption von Gasen auf festen OberflĂ€chen beschrieben. Die Physisorption ist neben der Absorption ein alltĂ€glicher Prozess und findet an fast allen OberflĂ€chen statt, die Gasen (wie der Luft) oder FlĂŒssigkeiten (z. B. Wasser) ausgesetzt sind.
Im Allgemeinen sollte der Begriff Adsorption nur fĂŒr die alltĂ€glichen Prozesse der Physisorption verwendet werden. Spezielle Adsorptionen mit chemischen Prozessen sollten explizit als Chemisorption bezeichnet werden, weil hierbei das Adsorpt und/oder das Adsorbens chemisch verĂ€ndert wird. Chemisorption findet unter UmstĂ€nden nur bei bestimmten Temperaturen statt und fĂŒhrt hĂ€ufig auch nicht zu einer Anreicherung von Stoffen auf der OberflĂ€che, etwa weil verschiedenen Stoffe auf der gleichen OberflĂ€che adsorbiert werden und dort reagieren, wie es bei der heterogenen Katalyse der Fall ist. Man spricht dann von Koadsorption.cite-ref-5[5]
Physikalische Adsorption
| Monolage | Adsorptionsenergie |
|---|---|
| | |
| Abb.1: a) Adsorbens, b) Adsorpt an der GrenzflÀche, a+b) Adsorbat, c) Gasphase bzw. Lösung mit Adsorptiv | Abb.2: a) Adsorbens, b) Adsorpt, c) Gasphase. Kurve: Potentielle Energie E als Funktion des Abstands d ; Adsorptionsenergie E b . (1) Reflexion, (2) Adsorption |
| Monolage und Kondensat | SelektivitÀt |
| | |
| Abb.3: a) Adsorbens, b) Adsorpt, c) Kondensat d) Gasphase bzw. Lösung mit Adsorptiv | Abb.4: a) Adsorbens, b) Adsorpt, c) Gasphase bzw. Lösung mit verschiedenen Adsorptiv: MolekĂŒle in blau werden hier bevorzugt adsorbiert |
| Raue OberflÀche | Innere OberflÀche |
| | |
| Abb.5: a) Adsorbens mit rauer OberflĂ€che b) Adsorpt, c) Gasphase bzw. Lösung mit Adsorptiv | Abb.6: Struktur von Zeolith A mit einer groĂen inneren OberflĂ€che |
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Hauptartikel
:
Physisorption
Die physikalische Adsorption eines Stoffes auf einer OberflĂ€che Ă€hnelt einer chemischen Gleichgewichtsreaktion. Der adsorbierte Stoff (Adsorpt) bildet jedoch mit der OberflĂ€che keine chemische Bindung aus, sondern haftet durch schwĂ€chere KrĂ€fte Ă€hnlich der AdhĂ€sion. So treten in der Regel nur Van-der-Waals-KrĂ€fte auf. Die Adsorptionsenergie liegt bei der Physisorption deutlich unter 100 kJ/mol.cite-ref-0-6-0[6] Chemische Bindungen innerhalb eines adsorbierten Teilchens bleiben bestehen, werden jedoch polarisiert. FĂŒr diese Gleichgewichtsreaktion kann man eine Reaktionsgleichung zwischen dem Stoff, der adsorbiert wird (Adsorptiv), der OberflĂ€che des Festkörpers (Adsorbens) und dem Adsorpt aufstellen:
X ( g ) + â» â» â â X ( a d s ) {\displaystyle X_{\mathrm {(g)} }+\Box \ \rightleftharpoons X_{\mathrm {(ads)} }}
Wobei gilt:
X ( g ) {\displaystyle X_{\mathrm {(g)} }} â Teilchen in der Gasphase bzw. in Lösung (Adsorptiv)
X ( a d s ) {\displaystyle X_{\mathrm {(ads)} }} â Teilchen auf der OberflĂ€che (Adsorpt)
â» â» {\displaystyle \Box } â freie OberflĂ€chenplĂ€tze des Adsorbens
Treffen Teilchen auf die OberflĂ€che (Abb. 1), werden diese entweder reflektiert oder adsorbiert. Adsorption tritt auf, wenn die Teilchen ihre kinetische Energie und die Adsorptionsenergie (Eb) an die OberflĂ€che abgeben können (Abb. 2). Die Reaktion ist also exotherm. Die Adsorption ist reversibel, da die Teilchen mit Ă€hnlich viel Energie die OberflĂ€che wieder verlassen können, da diese Reaktionen in der Regel nicht durch ĂbergangszustĂ€nde gehemmt werden. Die Aktivierungsenergie (Ea) der Reaktion ist daher gleich der Adsorptionsenergie (Eb). Adsorbierte Teilchen haben keinen fixen Bindungsort. Sie verweilen nicht an der Stelle, wo sie adsorbiert wurden, sondern bewegen sich frei entlang der OberflĂ€che. AuĂerdem können sie sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit von der OberflĂ€che lösen und in die Gasphase ĂŒbergehen. Im thermodynamischen Gleichgewicht gleichen sich Adsorption und Desorption sowohl in Bezug auf die Teilchenzahlen als auch in Bezug auf die ĂŒbertragene WĂ€rme aus. Im Gleichgewicht findet also weder Stoff- noch WĂ€rmetransport statt.
Die Lage des Gleichgewichts hĂ€ngt von den Eigenschaften und GröĂe der OberflĂ€che, den Eigenschaften und dem Partialdruck (bzw. Konzentration) des Adsorptivs sowie von der Temperatur ab. Bei 300 °C und normalen DrĂŒcken liegt das Gleichgewicht oft ganz auf der linken Seite. Liegt das Gleichgewicht ganz auf der rechten Seite, bilden die Teilchen aus der Gasphase im Idealfall eine monomolekulare Schicht auf der OberflĂ€che aus.
Praktisch können sich nach der Bildung der Monolage weitere Lagen bilden (Abb. 3). Streng genommen zĂ€hlt man nur die Bildung der ersten Schicht zur Adsorption, da nur hier Wechselwirkungen zwischen OberflĂ€che und Adsorptiv wirken können, In den anderen Lagen bestehen nur Wechselwirkungen zwischen den AdsorptmolekĂŒlen. Nachdem die OberflĂ€che vollstĂ€ndig benetzt wurde, geht die Adsorption in Kondensation ĂŒber und die Adsorptionsenthalpie entspricht dann der Verdampfungsenthalpie.
Die Kondensationsenthalpie (also die Bindungsenergie der Adsorpte untereinander) ist in der Regel deutlich geringer als die Adsorptionsenergie eines Adsorpts zum Adsorbens.
In der Regel haben die OberflĂ€chen der Adsorbentien keine ideal ebene Struktur, sondern haben zahlreiche Defekte (Gitterfehler). Diese Defekte bilden Stellen, an denen das Adsorpt besonders fest gebunden ist (Abb. 5). Die MobilitĂ€t des Adsorpts erlaubt die Besetzung dieser Stellen unabhĂ€ngig von der Stelle, wo das Adsorptiv adsorbiert wurde. Die LeistungsfĂ€higkeit eines Adsorbens steigt daher mit der Zahl seiner Defekte. Aus diesem Grund ist die weitgehend amorph aufgebaute Aktivkohle im Vergleich zum Graphit ein besonders leistungsstarkes Adsorbens. Andere, leistungsstarke Stoffe wie Zeolithe sind nicht amorph, verfĂŒgen aber ĂŒber ein sehr enges Kanalsystem (Abb. 6), eine so genannte innere OberflĂ€che, in dem nur wenige MolekĂŒle (Adsorptive) nebeneinander Platz finden. Bei solchen Stoffen lassen sich Adsorption und Kondensation kaum noch unterscheiden. Gelegentlich nennt man solche Prozesse auch Kapillarkondensation (siehe KapillaritĂ€t). Diese findet in den Mesoporen (zwischen 2 nm und 50 nm Durchmesser) des Adsorbens statt.
OberflĂ€chen sind unter normalen Bedingungen immer durch Fremdstoffe belegt. Auf der OberflĂ€che von Feststoffen in Kontakt mit Lösemitteln sitzen LösemittelmolekĂŒle. OberflĂ€chen in Kontakt mit Luft sind z. B. mit WassermolekĂŒlen belegt. Praktisch geeignete Adsorbentien zeichnen sich durch eine SelektivitĂ€t aus (Abb. 4). Aus Lösungen verdrĂ€ngen gelöste Stoffe die Lösemittel und aus der Luft verdrĂ€ngen bestimmte Stoffe das Wasser von der OberflĂ€che, da sie stĂ€rker gebunden werden (AdsorptionsverdrĂ€ngung). Diese Anreicherung bestimmter Stoffe auf der OberflĂ€che erlaubt die Herstellung von Gasfiltern (z. B. in Atemschutzfiltern) und Verfahren der Adsorptionschromatografie.
Adsorptionsisothermen
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Hauptartikel
:
Sorptionsisotherme
| monomolekulare Schicht |
|---|
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| Abb. 7: N: Zahl der adsorbierten Teilchen, p: Druck, N m : Zahl der Teilchen bei voller Belegung der OberflĂ€che, (1) und (2) Adsorptionsisotherme fĂŒr zwei Temperaturen; höhere Temp. bei (2), (3) Kondensation |
| Kapillarkondensation |
| |
| Abb. 8: Adsorptionsverhalten vom groĂporigen/grobporigen Materialien, wie Silicagel |
Adsorptionsisothermen geben den Belegungsgrad Î Î {\displaystyle \Theta } bei konstanter Temperatur T {\displaystyle T} als Funktion des Druckes p {\displaystyle p} an.cite-ref-1-7-0[7]cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] Der Belegungsgrad Î Î {\displaystyle \Theta } ist die Zahl Adsorpt-MolekĂŒle N {\displaystyle N} pro EinheitsoberflĂ€che Adsorbens relativ zur Zahl Adsorpt-MolekĂŒle N m {\displaystyle N_{\mathrm {m} }} pro EinheitsoberflĂ€che Adsorbens bei maximal möglicher Belegung. FĂŒr die Adsorption von monomolekularen Schichten lĂ€sst sich der Belegungsgrad Î Î {\displaystyle \Theta } wie folgt definieren:
Î Î = N N m {\displaystyle \Theta ={\frac {N}{N_{\mathrm {m} }}}}
Der Belegungsgrad Î Î {\displaystyle \Theta } in einem System Gas â FestkörperoberflĂ€che ist abhĂ€ngig vom Partialdruck p {\displaystyle p} des Gases und der Temperatur T {\displaystyle T} .
Î Î = f ( p , T ) {\displaystyle \Theta =f(p,T)}
Adsorptionsisothermen werden zur Charakterisierung von Pulvern oder porösen Materialien wie etwa porösen GlĂ€sern verwendet, wobei aus den Adsorptionsisothermen KenngröĂen wie spezifische OberflĂ€chen oder mittlere Porendurchmesser sowie Informationen zur Textur des untersuchten Materials ermittelt werden können. Als Adsorptiv werden oft Gase wie Stickstoff oder Edelgase verwendet. Die Lage des Gleichgewichts eines Systems ist dann nur noch abhĂ€ngig vom Druck.
Î Î = f ( p ) T = k o n s t a n t {\displaystyle \Theta =f(p)_{T=\mathrm {konstant} }}
Eine praktisch wichtige Isotherme ist die Langmuir-Isotherme, die in dieser Form dargestellt werden kann:
N = N m p b + p {\displaystyle N={\frac {N_{\mathrm {m} }p}{b+p}}}
Die GröĂe b {\displaystyle b} kann man als VerhĂ€ltnis der Geschwindigkeitskonstanten der Desorption und Adsorption eines Systems betrachten. Die Abbildung 7 zeigt den Verlauf der Belegung. FĂŒr kleine p {\displaystyle p} ( p âȘ âȘ b {\displaystyle p\ll b} ) verlĂ€uft die Adsorptionsisotherme proportional zu p {\displaystyle p} . FĂŒr groĂe p {\displaystyle p} ( p â« â« b {\displaystyle p\gg b} ) nĂ€hert sich die Kurve der monomolekularen Belegung N m {\displaystyle N_{m}} . Bei höheren DrĂŒcken kommt es zur Kondensation, die jedoch durch die Langmuir-Isotherme nicht beschrieben wird.
Neben der langmuirschen Adsorptionsisotherme kann auch mit der freundlichschen Gleichung die chemische Adsorption beschrieben werden.cite-ref-11[11]
Materialien mit rauer oder inneren OberflĂ€che zeigen oft ein anderes Adsorptionsverhalten, welches sich nicht durch Langmuir-Isotherme beschreiben lĂ€sst. HĂ€ufig wird auf die Isotherme nach Brunauer, Emmett und Teller (BET-Isotherme) zurĂŒckgegriffen:
N = N m a p ( p 0 â â p ) [ 1 + ( a â â 1 ) p / p 0 ] {\displaystyle N={\frac {N_{\mathrm {m} }ap}{(p_{0}-p)[1+(a-1)p/p_{0}]}}} , mit a als systemspezifische Konstante.
Adsorptionsisothermen von Materialien wie Silicagel zeigen bei niedrigem Druck einen steilen Anstieg (Abb. 8), haben jedoch nur eine Tendenz sich N m {\displaystyle N_{m}} anzunĂ€hern und ĂŒbersteigen diesen Wert frĂŒh. Hier kommt die Kapillarkondensation zum Tragen, die energetisch nahe bei der AdsorptionswĂ€rme einer monomolekularen Belegung liegt.
Konkurrierende Adsorption
Belegen MolekĂŒle einer Komponente die OberflĂ€che eines Adsorbens, das fĂŒr die Abscheidung einer anderen Komponente gedacht war, so wird von konkurrierender Adsorption gesprochen. Dies ist bei technischen Trennaufgaben von Bedeutung, da in vielen FĂ€llen Stoffgemische auftreten (z. B. ein Kohlenwasserstoff und Wasserdampf). In solchen FĂ€llen ist die SelektivitĂ€t des Adsorbens von groĂer Bedeutung.cite-ref-12[12] Konkurrierende Adsorption kann durch Messung von Durchbruchskurven mit zwei oder mehr Adsorptiven beobachtet und quantifiziert werden.
Chemische Adsorption
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Hauptartikel
:
Chemisorption
Die chemische Adsorption ist eine Anlagerung von Stoffen auf die OberflĂ€che von Feststoffen, die chemischen BindungskrĂ€ften gleicht. WĂ€hrend bei der physikalischen Adsorption die BindungskrĂ€fte von deutlich unter 100 kJ/mol wirken, liegt die Adsorptionsenthalpie bei chemischen Adsorption bei mehr als 200 kJ/mol.cite-ref-0-6-1[6] Bei der Chemisorption werden Bindungen zu der OberflĂ€che geknĂŒpft und die elektronische Struktur innerhalb des Adsorpts verĂ€ndert. Durch die direkten Bindungen zur OberflĂ€che können sich maximal monomolekulare Schichten bilden. Trotz einer chemischen Bindung zur OberflĂ€che kann sich das Adsorpt â wie bei einer Physisorption â meist entlang der OberflĂ€che bewegen.
Die Chemisorption kann erhebliche Konsequenzen fĂŒr den adsorbierten Stoff haben, die von den Eigenschaften des Adsorptives, des Adsorbens und der Temperatur des Systems abhĂ€ngen. Chemisorption ist ein grundlegender Prozess bei der Katalyse mit festen Katalysatoren, die so genannte heterogene Katalyse. Bindungen innerhalb des adsorbierten Stoffes können geschwĂ€cht werden. Chemische Reaktionen mit anderen Reaktionspartnern können nun leichter ablaufen; man spricht von einer katalytischen Aktivierung der Reaktion.
Unter UmstĂ€nden können Bindungen innerhalb des Adsorpts gebrochen werden, was zu einem Zerfall des Adsorpts in zwei oder mehr Teilchen fĂŒhren kann (dissoziative Chemisorption). So dissoziiert z. B. Wasserstoff (H2) auf Metallen wie Eisen Platin und Palladium zu einzeln gebundenen Wasserstoffatomen (Abb. 9, (2)). Dissoziative Chemisorptionen können dazu fĂŒhren, dass andere Teilchen desorbiert werden, als adsorbiert wurden. Die Chemisorption hat dann eine chemische Reaktion ausgelöst (Katalyse).
Kohlenstoffmonoxid (CO) dissoziiert bei Adsorption auf die oben genannten Metalle nur bei hohen Temperaturen. In der Regel findet eine so genannte gerichtete Chemisorption statt: CO bindet ĂŒber das C-Atom auf die MetallflĂ€che (Abb. 9, (3)), analog zur Bindungsrichtung die bei Metallcarbonylen vorliegt.
Die Adsorption ist eine exotherme Reaktion, die jedoch ĂŒber energetisch ungĂŒnstig hohe ĂbergangszustĂ€nde verlaufen kann (aktivierte Adsorption). Bei aktivierten Adsorptionen erfolgt Adsorption â im Gegensatz zur Physisorption â erst bei höheren Temperaturen und die Geschwindigkeit steigt mit zunehmender Temperatur.
Im Gegensatz zur Physisorption ist die Aktivierungsenergie der Desorption oft ungleich der Aktivierungsenergie der Adsorption. Die Aktivierungsenergie der Desorption resultiert aus den VerĂ€nderungen am Adsorpt. WĂ€hrend einige adsorbierte Teilchen (z. B. H2 oder O2) dissoziiert sind, haben andere Teilchen (z. B. CO2) ihre rĂ€umliche Konfiguration geĂ€ndert. Die GröĂe der Aktivierungsenergien und der AdsorptionswĂ€rmen hĂ€ngen neben der Art der adsorbierten Teilchen bzw. deren Reaktionsprodukten stark von der chemischen Zusammensetzung und der (elektronischen) Struktur des Adsorptivs ab (Tabelle âAdsorptionsenergieâ). Bei Chemisorption kann die Adsorption irreversibel sein, wenn fĂŒr die Desorption bestimmter Teilchen eine (zu) hohe Aktivierungsenergie erforderlich ist. Tritt solche Chemisorption bei Katalysatoren auf, fĂŒhrt dies zur Deaktivierung und man spricht von Katalysatorgift.
Anwendungen
Physisorption
Da bei der Adsorption WÀrme freigesetzt und bei der Desorption WÀrme aufgenommen wird, werden auf der Adsorption basierende WÀrmepumpen (AdsorptionskÀltemaschinen) gebaut. Beim Betrieb von AdsorptionskÀltemaschinen wird der Aggregatzustand des Fluids geÀndert.
Physisorption in der Gasphase
Als Adsorbenzien kommen beispielsweise Aktivkohle, Aktivkoks, Silicagel oder Molekularsiebe (Zeolithe) in Form von SchĂŒttungen oder in strukturierter Form zum praktischen Einsatz. Auf Physisorption beruhen Gasfilter, wie Atemschutzfilter und Verfahren zur Trocknung feuchter Luft (Adsorptionstrocknung).
Adsorptive Verfahren werden hĂ€ufig zur Abgasreinigung verwendet. Sie dienen zur RĂŒckhaltung von Kohlenwasserstoffen z. B. in Form von Lösungsmittelncite-ref-14[14] oder BenzindĂ€mpfen.cite-ref-15[15] Weiterhin werden Adsorptionsverfahren zur Beseitigung von Geruchsstoffencite-ref-16[16], Schwefelwasserstoffcite-ref-17[17] und Schwefeldioxidcite-ref-18[18] eingesetzt. Auch zur GlĂ€ttung von Konzentrationsspitzen vor Oxidations-Katalysatoren findet die Adsorption Anwendung.cite-ref-19[19]
Viele Verfahren zur Trennung bzw. Reinigung sowie der Analyse von Stoffgemischen beruhen auf chromatografischen Methoden, der Adsorptionschromatografie. Alle diese Verfahren nutzen die stoffspezifische Gleichgewichtsreaktion der Physisorption zwischen einer GrenzflÀche und einer mobilen Phase.
Bei technischer Trennung und von Gasgemischen wird Physisorption genutzt, da Gase druck- und temperaturabhÀngig unterschiedlich stark an der OberflÀche eines Adsorbens anlagern. Man unterscheidet die Betriebsarten Temperaturwechsel- und Druckwechsel-Adsorption. So kann beispielsweise aus Synthesegas hochreiner Wasserstoff gewonnen werden. Eine weitere Anwendung zur technischen Trennung von Gasgemischen ist das Entfernen von CO2 aus Biogas.cite-ref-20[20]
Gassorptionsmessungen, also die Messung von Gassorptionsisothermen und deren modellbasierte Auswertung, sind Standardverfahren zur Charakterisierung von mikro- und mesoporösen Materialien sowie Pulvern.
Physisorption in der FlĂŒssigphase
Zur Reinigung vieler Naturstoffecite-ref-21[21] und heute vor allem in der Wasseraufbereitung, Abwasserreinigung, Grundwassersanierung sowie in der Industriewasserwirtschaft wird die Adsorption zur Entfernung von schĂ€dlichen Wasserinhaltsstoffen oder zur StoffrĂŒckgewinnung verwendet.cite-ref-22[22]
Chemisorption
Chemisorption ist der grundlegende Prozess bei der heterogenen Katalyse. Katalysatoren sind hierfĂŒr geeignete Feststoffe. FĂŒr die Hydrierung von C=C-Doppelbindungen wird Wasserstoff und als Katalysator Raney-Nickel oder Nickel-Aluminium-Legierungen verwendet. Die Chemisorption von Wasserstoff auf Katalysatoren spielt auch beim Haber-Bosch-Verfahren zur Gewinnung von NH3 eine wesentliche Rolle. Die Chemisorption von Kohlenmonoxid und Wasserstoff ermöglicht bei der Fischer-Tropsch-Synthese die Synthese von Kohlenwasserstoffen. Auch Fahrzeugkatalysatoren beruhen auf einer heterogenen Katalyse.
Siehe auch
Commons
: Adsorption
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Literatur
⹠Wilhelm Schwieger, Helge Toufar: Anorganisch-poröse Materialien: PrÀparation, Verarbeitung und Industrielle Herstellung. Springer, Berlin 2007, ISBN 978-3-540-23649-8.
âą Dieter Bathen, Marc Breitbach: Adsorptionstechnik. Springer, Berlin 2001, ISBN 978-3-540-41908-2.
âą L. W. Bruch, Milton W. Cole, Eugene Zaremba: Physical Adsorption: Forces and Phenomena. Dover Pubn Inc, 2007, ISBN 978-0-486-45767-3.
âą Stephen Brunauer: The Adsorption of Gases and Vapors Vol I â Physical Adsorption. Dodo Press, 2007, ISBN 978-1-4067-5030-0.
âą VDI 3674:2013-04 Abgasreinigung durch Adsorption; Prozessgas- und Abgasreinigung (Waste gas cleaning by adsorption; Process gas and waste gas cleaning). Beuth Verlag, Berlin. (Zusammenfassung und Inhaltsverzeichnis online )
Einzelnachweise
cite-note-11. â Eintrag zu adsorption. In: IUPAC (Hrsg.): Compendium of Chemical Terminology. The âGold Bookâ. doi:10.1351/goldbook.A00155 â Version: 3.0.1.
cite-note-33. â Eintrag zu absorption. In: IUPAC (Hrsg.): Compendium of Chemical Terminology. The âGold Bookâ. doi:10.1351/goldbook.A00036 â Version: 3.0.1.
cite-note-44. â Eintrag zu sorption. In: IUPAC (Hrsg.): Compendium of Chemical Terminology. The âGold Bookâ. doi:10.1351/goldbook.S05769 â Version: 3.0.1.
cite-note-55. â Peter W. Atkins, Julio de Paula: Physikalische Chemie. 5. Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 2020, ISBN 978-3-527-83318-4, S. 956 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
cite-note-1-77. â Hans-JĂŒrgen Butt, Karlheinz Graf, Michael Kappl: Physics and Chemistry of Interfaces. Wiley-VCH, Weinheim 2003, ISBN 3-527-40413-9, 9 Adsorption, S. 177â205.
cite-note-1010. â Mahdieh Mozaffari Majd, Vahid Kordzadeh-Kermani, Vahab Ghalandari, Anis Askari, Mika SillanpÀÀ: Adsorption isotherm models: A comprehensive and systematic review (2010â2020). In: Science of The Total Environment. Band 812, 2022, ISSN 0048-9697, S. 151334, doi:10.1016/j.scitotenv.2021.151334.
cite-note-1111. â R. Brdicka; In: Grundlagen der Physikalischen Chemie; VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1958, S. 482.
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